Auf einen Blick

Ein Epithel besteht aus eng verbundenen Zellen mit einer freien beziehungsweise einem Hohlraum zugewandten Seite und einer basalen Anheftung. Es sitzt auf einer Basalmembran und wird überwiegend durch Stofftransport aus benachbartem Gewebe versorgt.

Einschichtige Epithelien ermöglichen je nach Ausstattung einen kurzen Austauschweg, gezielte Aufnahme oder Sekretion. Mehrschichtige Epithelien tragen zur mechanischen Widerstandsfähigkeit bei. Oberflächenspezialisierungen wie Mikrovilli und Flimmerhärchen ergänzen die jeweilige Funktion. [1]

Wo Epithelien im Körper vorkommen

Die äußere Lage der Haut, die Auskleidung des Darms und die Oberfläche der Atemwege gehören zur gleichen grundlegenden Gewebegruppe. Auch die Harnwege und viele Drüsen besitzen Epithelien. Diese Vielfalt ergibt sich aus unterschiedlichen Anforderungen: Eine Oberfläche kann schützen, Stoffe aufnehmen, Flüssigkeit abgeben, Partikel weiterbefördern oder einen Austausch zwischen zwei Räumen ermöglichen.

An Blut- und Lymphgefäßen heißt das auskleidende Epithel Endothel. Seröse Häute, die unter anderem die Oberfläche von Organen in Brust- und Bauchraum überziehen, tragen ein Mesothel. Diese Bezeichnungen benennen Lage und Spezialisierung. Endothel begrenzt den Blut- beziehungsweise Lymphraum. Mesothel liegt auf den gleitfähigen Flächen seröser Häute, während Schleimhäute die Innenflächen von Hohlorganen bedecken.

Ein Organ enthält neben seinem Epithel weitere Gewebe. In der Darmwand liegen beispielsweise Bindegewebe, Gefäße, Nervengeflechte und Muskelschichten. Das Epithel bildet darin eine bestimmte funktionelle Grenzschicht. Seine Leistung hängt von der Versorgung, der mechanischen Unterstützung und der Abstimmung mit diesen anderen Geweben ab. [1][2] [7]

Apikal, lateral und basal: drei Seiten mit unterschiedlichen Aufgaben

Die apikale Oberfläche zeigt zu einem freien Raum. Im Darm ist das das Darmlumen, in einem Drüsenausführungsgang das Innere des Gangs. Die seitlichen beziehungsweise lateralen Flächen berühren Nachbarzellen. Die basale Fläche liegt auf der Basalmembran. Diese räumliche Gliederung heißt Zellpolarität.

Die einzelnen Membranbereiche können unterschiedliche Transporter, Rezeptoren und Anheftungsproteine tragen. Dadurch wird ein gerichteter Transport durch die gesamte Zelle möglich. Ein Stoff wird an einer Seite aufgenommen, im Zellinneren verarbeitet oder weitergegeben und an der anderen Seite abgegeben. Bei einer Drüsenzelle kann die Lage von sekretgefüllten Vesikeln erkennen lassen, an welcher Oberfläche die Abgabe erfolgt.

Zwischen apikaler und basolateraler Membran besteht eine geordnete Aufteilung. Bestimmte Zellkontakte stabilisieren diese Verteilung und steuern den Weg zwischen den Zellen. Damit verbindet die Polarität die Gestalt einer Zelle mit der Funktion einer ganzen Zellschicht. Ein aufgenommenes Molekül kann so die apikale Membran passieren, die Zelle durchqueren und auf der basolateralen Seite an das benachbarte Gewebe abgegeben werden. [1][3] [7]

Basalmembran und Versorgung aus der Nachbarschaft

Die Basalmembran liegt zwischen Epithel und darunterliegendem Gewebe. Sie enthält unter anderem spezialisierte Bestandteile der extrazellulären Matrix und schafft eine Verankerungs- und Grenzfläche. Epithelzellen verbinden sich über entsprechende Anheftungsstrukturen mit dieser Unterlage. Auch die räumliche Organisation und Erneuerung des Epithels stehen mit seiner Unterlage in Beziehung.

Oberflächenepithelien besitzen grundsätzlich keine eigene Gefäßversorgung innerhalb der Zellschicht. Sauerstoff und Nährstoffe erreichen sie aus benachbarten versorgten Bereichen durch Diffusion. In einer Schleimhaut liegen die Kapillaren deshalb im darunterliegenden Bindegewebe. Der Abstand zwischen versorgender Umgebung und Zellen ist für den Stoffaustausch bedeutsam.

Bei einer mikroskopischen Beurteilung betrachtet man daher die gesamte Nachbarschaft: Epithel, Basalmembran und Bindegewebe. Veränderungen können unterschiedliche Ebenen betreffen. Eine intakte Zelloberfläche braucht eine tragfähige Unterlage, erreichbare Versorgung und geordnete Zellkontakte. Diese Zusammenhänge erklären, weshalb der Aufbau eines Gewebes mehr umfasst als seine auffälligste Zellschicht. [1][4] [6]

Zellkontakte halten die Schicht zusammen

Tight Junctions liegen im oberen seitlichen Kontaktbereich geeigneter Epithelzellen. Sie regulieren den Weg zwischen Nachbarzellen und tragen zur Trennung der Membrandomänen bei. Ihre Durchlässigkeit ist gewebespezifisch. Der Zwischenzellweg kann so für bestimmte Stoffe stärker begrenzt sein als für andere.

Adhärenskontakte verbinden Zellen über Anheftungsproteine mit ihrem Aktinzytoskelett. Desmosomen koppeln benachbarte Zellen an deren Intermediärfilamente und tragen zur mechanischen Belastbarkeit bei. Hemidesmosomen verankern Zellen an der basalen Unterlage. Diese Verbindungen übertragen Kräfte zwischen Zellinnerem, Nachbarzellen und Matrix.

Gap Junctions schaffen eine direkte Verbindung für kleine Moleküle und Ionen zwischen benachbarten Zellen. Sie ermöglichen eine abgestimmte Aktivität in geeigneten Zellverbänden. Dichte Barriere, mechanischer Zusammenhalt und Kommunikation sind somit verschiedene Aufgaben von Zellkontakten. Welche Verbindungen besonders ausgeprägt sind, hängt von Ort und Belastung des Epithels ab. [1]

Wie Epithelien benannt werden

Die histologische Einteilung berücksichtigt vor allem die Zahl der Zelllagen und die Form der oberflächlichen Zellen. Flache Zellen bilden ein Plattenepithel, annähernd würfelförmige ein kubisches und hohe Zellen ein hochprismatisches Epithel. Die Wörter beschreiben das Erscheinungsbild im Schnitt.

Bei einem einschichtigen Epithel stehen alle Zellen auf der Basalmembran. Bei einem mehrschichtigen Epithel liegt nur die unterste Zelllage unmittelbar auf ihr. Für den Namen eines mehrschichtigen Epithels ist die Form der obersten Zellen ausschlaggebend. Basalzellen können dabei eine andere Gestalt besitzen.

Ein mehrreihiges Epithel erscheint im Schnitt mehrlagig, weil seine Zellkerne auf unterschiedlichen Höhen liegen. Alle Zellen haben jedoch Kontakt zur Basalmembran; nur ein Teil erreicht die freie Oberfläche. Die Zahl der Kernreihen und die Zahl der Zelllagen stimmen bei diesem Epitheltyp deshalb nicht überein. Entscheidend für die Einschichtigkeit bleibt die gemeinsame Verbindung aller Zellen mit der Basalmembran. [1] [6]

Drei selbst erstellte Gewebeschnitte zeigen einschichtiges Plattenepithel, einschichtiges hochprismatisches Epithel und mehrschichtiges Plattenepithel. Die freie Oberfläche liegt jeweils oben, die Basalmembran unten.
Drei Epithelformen: einschichtiges Plattenepithel, einschichtiges hochprismatisches Epithel und mehrschichtiges Plattenepithel. KI-generierte Illustration.
Gesundheitskapitel

Dünn für den Austausch, hoch für Transport und Sekretion

Ein einschichtiges Plattenepithel schafft eine sehr dünne Zelllage. Das ist an bestimmten Austauschflächen von Bedeutung. In den Lungenbläschen tragen flache Zellen zusammen mit den benachbarten Strukturen zur kurzen Strecke zwischen Luft und Blut bei. Auch das Endothel der Gefäße bildet eine dünne Grenzschicht mit eigenständigen Regulationsaufgaben.

Kubische und hochprismatische Epithelzellen besitzen mehr Raum für Organellen und ein differenziertes Transport- oder Sekretionssystem. Beispiele sind Abschnitte der Nierentubuli sowie das Darmepithel. Ihre genaue Funktion wird durch Transportproteine und Oberflächenausstattung festgelegt. Die Zellform gibt einen ersten Hinweis, während Lage, Kontakte und molekulare Ausstattung die Erklärung vervollständigen.

Ein konkretes histologisches Beispiel bietet das Nierenkörperchen. Der äußere Wandabschnitt der Bowman-Kapsel besitzt ein einschichtiges Plattenepithel. Seine dünnen Zellen sind im Schnitt vor allem an ihren Kernen zu erkennen. Dieser äußere Kapselabschnitt begrenzt den Raum, in den das Filtrat aus den Kapillarschlingen gelangt. [1][5] [8]

Mehrschichtiger Schutz und die dehnbare Harnwegsoberfläche

Mehrschichtiges Plattenepithel widersteht wiederholter mechanischer Beanspruchung. Im Mund und in der Speiseröhre bleibt die Oberfläche feucht. An der Haut entsteht eine verhornte oberste Schicht. Die verschiedenen Oberflächen passen zu den Bedingungen, unter denen das Gewebe arbeitet.

Das Urothel ist eine spezialisierte mehrschichtige Auskleidung großer Teile der ableitenden Harnwege, darunter Harnleiter und Harnblase. Bei wechselnder Füllung verändert sich die Gestalt der oberflächlichen Zellen und die Anordnung der Schicht. Zugleich bleibt eine wirksame Grenzfläche zum Urin erhalten. Die Begriffe Übergangsepithel und Urothel beziehen sich auf diese besondere Gewebeform.

Die oberflächlichen Zellen des Urothels werden als Deckzellen bezeichnet. Im entspannten Zustand erscheinen sie gewölbt, bei Dehnung flacher. Dadurch verändert sich das Erscheinungsbild der gesamten Zellschicht mit dem Füllungszustand des Hohlorgans. Die zusammenhängende Oberfläche bleibt dabei als Grenze zwischen Harn und Gewebe erhalten. [1] [6]

Mikrovilli, Flimmerhärchen und Becherzellen

Mikrovilli sind feine Ausstülpungen der apikalen Oberfläche mit einem Gerüst aus Aktinfilamenten. Viele dicht nebeneinanderliegende Mikrovilli vergrößern die verfügbare Membranfläche. Im Dünndarm entsteht daraus der Bürstensaum, an dem Transport und bestimmte Verdauungsschritte eng zusammenkommen.

Bewegliche Flimmerhärchen besitzen dagegen ein mikrotubuläres Innengerüst. Ihr koordinierter Schlag kann Material auf der Oberfläche weiterbefördern. Im respiratorischen Epithel werden Schleim und darin gebundene Partikel in Richtung Rachen transportiert. Die Bewegungsrichtung und die Lage der Schleimschicht gehören deshalb unbedingt in eine Funktionszeichnung.

Becherzellen geben schleimbildende Bestandteile ab. Sie liegen beispielsweise zwischen anderen Epithelzellen der Atemwege und des Darms. Eine Zellschicht kann somit aus mehreren spezialisierten Zelltypen bestehen. Aufnahme, Sekretion, Schutz und Transport werden im selben Gewebe miteinander verbunden. [1] [8]

Drüsenepithel: ein Produkt gezielt abgeben

Exokrine Drüsen geben ihr Produkt an eine Oberfläche oder in einen Ausführungsgang ab. Schweißdrüsen und viele Verdauungsdrüsen folgen diesem Grundprinzip. Ihre Sekretbestandteile gelangen an den Ort, an dem sie eine lokale Aufgabe erfüllen. Eine einzelne Becherzelle ist bereits ein Beispiel für eine einzellige exokrine Drüse.

Endokrine Drüsenzellen geben Hormone in ihre Umgebung ab. Über die Gewebsflüssigkeit und erreichbare Gefäße gelangen diese Botenstoffe in den Kreislauf. Zielzellen reagieren entsprechend ihrer Rezeptorausstattung. Ein Ausführungsgang kennzeichnet dagegen den Abgabeweg exokriner Drüsen. Die räumliche Anbindung bestimmt somit, auf welchem Weg ein Drüsenprodukt seinen Wirkort erreicht.

Die Erneuerung und Spezialisierung von Epithelien wird auf den jeweiligen Einsatzort abgestimmt. Abgegebene oder geschädigte Zellen müssen ersetzt werden; gleichzeitig braucht die Oberfläche ihre geordnete Funktion. Diese Verbindung aus Zellnachschub, Kontakten und Polarität macht das Epithel zu einem dynamischen Gewebe. [1] [7]

Diese Zusammenhänge vertiefen

Quellen und Weiterlesen

  1. OpenStax: Anatomy and Physiology 2e, 4.2 Epithelial Tissue Kapitel 4.2: The Epithelial Cell; Cell to Cell Junctions; Classification of Epithelial Tissues; Glandular Epithelium. Abgerufen am 07.11.2026.
  2. OpenStax: Anatomy and Physiology 2e, 4.1 Types of Tissues Kapitel 4.1: The Four Types of Tissues; Tissue Membranes. Abgerufen am 07.11.2026.
  3. OpenStax: Anatomy and Physiology 2e, 3.1 The Cell Membrane Kapitel 3.1: Structure and Composition of the Cell Membrane; Membrane Proteins; Transport across the Cell Membrane. Abgerufen am 07.11.2026.
  4. OpenStax: Anatomy and Physiology 2e, 4.3 Connective Tissue Supports and Protects Kapitel 4.3: Functions of Connective Tissues; Classification of Connective Tissues. Abgerufen am 07.11.2026.
  5. Histology Guide: MH 016 Simple Epithelia – Simple Squamous Epithelium Lehrpräparat MH 016: parietales einschichtiges Plattenepithel der Bowman-Kapsel. University of Minnesota. Abgerufen am 07.11.2026.
  6. Columbia University: Histology Lab, Epithelium Definition; Simple/stratified/pseudostratified; Transitional epithelia; Absatz basal lamina/basement membrane. Abruf: 07.11.2026.
  7. University of Leeds: The Histology Guide, Epithelial Functions What are their characteristics?; Covering Epithelia; Glandular Epithelia. Abruf: 07.11.2026.
  8. University of Leeds: The Histology Guide, Classifying Epithelia How many layers?; Cell Shape; Specialisations. Abruf: 07.11.2026.