Auf einen Blick

  • Lungen- und Körperkreislauf sind hintereinandergeschaltet.
  • Die Gewebedurchblutung wird vor allem über die kleinen Arterien und Arteriolen angepasst.
  • Herzleistung, Gefäßwiderstand und Blutvolumen wirken bei der Druckregulation zusammen.

Zwei verbundene Blutwege

Zwei geordnete Pfeilketten: Hohlvenen, rechter Vorhof, Trikuspidalklappe, rechte Kammer, Pulmonalklappe und Lungenarterienstamm; daneben Lungenvenen, linker Vorhof, Mitralklappe, linke Kammer, Aortenklappe und Aorta.
Die Pfeile folgen dem Blutweg. Der Lungenkreislauf führt von der rechten zur linken Herzhälfte; der Körperkreislauf verbindet die linke wieder mit der rechten.
Gesundheitskapitel

Mit dem Blut einmal durch den Kreislauf

Aus dem Gewebe zurück

Nach dem Austausch in den Körperkapillaren sammelt sich das Blut in Venolen und anschließend in größeren Venen. Aus Kopf und Armen führt der Rückweg vorwiegend über die obere Hohlvene, aus den tiefer gelegenen Körperregionen über die untere. Das Blut erreicht so den rechten Vorhof. [2][25][27][35]

Die rechte Herzhälfte übernimmt

Beide Hohlvenen münden in den rechten Vorhof. Durch die Trikuspidalklappe gelangt das Blut in die rechte Kammer. Deren Kontraktion treibt es durch die Pulmonalklappe in die Lungenarterien. Diese verzweigen sich bis zum Kapillarnetz um die Lungenbläschen. [2][25][27][35]

In der Lunge werden Atemgase ausgetauscht

An den Lungenbläschen nimmt das Blut Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid ab. Gewöhnlich vier Lungenvenen bringen es zum linken Vorhof. Die kurze Strecke zwischen Atemluft und Blut schafft günstige Bedingungen für den Gasaustausch. [2][25][27][35]

Die linke Kammer erzeugt den Antrieb

Aus dem linken Vorhof fließt das Blut durch die Mitralklappe in die linke Kammer. Beim Auswerfen öffnet sich die Aortenklappe. Der Druck der kräftigen Kammer setzt den Blutstrom durch die Aorta und ihre Äste in Bewegung. [2][25][27][35]

Organe erhalten ihren Anteil

Arteriolen verteilen den Zustrom auf die Kapillarnetze der Organe. Dort werden Sauerstoff, Nährstoffe und weitere Stoffe ausgetauscht. Besonders aktive Gewebe können ihre örtlichen Widerstandsgefäße erweitern und so mehr Blut erhalten. [2][25][27][35]

Der Rückweg schließt den Kreis

Venolen sammeln das Blut wieder ein. Auf dem Weg zum Herzen unterstützen Muskelbewegungen und Druckänderungen bei der Atmung den Rückstrom. Die beiden Herzhälften bearbeiten diesen fortlaufenden Blutstrom gleichzeitig; Lungen- und Körperkreislauf sind dabei hintereinandergeschaltet. [2][25][27][35]

Ein Transportweg durch den ganzen Körper

Das Blut verbindet die Organe miteinander. Es transportiert Atemgase, Nährstoffe, Hormone, Abwehrzellen und Stoffwechselprodukte. Das Herz erzeugt die Druckunterschiede, die den Blutstrom antreiben. Gefäße verteilen ihn, ermöglichen den Austausch im Gewebe und führen das Blut wieder zurück. [24][25][26]

Dabei erfüllt jeder Gefäßabschnitt eine andere Aufgabe. Große elastische Arterien nehmen den stoßweisen Auswurf des Herzens auf. Kleinere Arterien und Arteriolen regulieren den Widerstand und die Verteilung. Kapillaren schaffen kurze Austauschwege. Venen nehmen einen großen Teil des Blutvolumens auf und transportieren das Blut zum Herzen zurück. [24][25][26]

Der Lungenkreislauf

Sauerstoffarmes Blut aus dem Körper erreicht den rechten Vorhof über die Hohlvenen. Es gelangt durch die Trikuspidalklappe in die rechte Kammer. Diese pumpt es über die Pulmonalklappe in den Lungenarterienstamm und weiter in die Lungenarterien. [2][5][35]

In der Lunge verzweigen sich die Gefäße zu einem Kapillarnetz um die Lungenbläschen. Sauerstoff diffundiert aus der Atemluft ins Blut; Kohlendioxid nimmt den Weg in die Gegenrichtung. Das nun sauerstoffreichere Blut fließt über die Lungenvenen zum linken Vorhof. [2][5][35]

Dieser Kreislauf arbeitet bei deutlich geringerem Druck als der Körperkreislauf. Die kurze Strecke und die Eigenschaften der Lungengefäße ermöglichen, dass die rechte Kammer dieselbe mittlere Blutmenge mit einer geringeren Druckarbeit weiterbefördert. Atmung und Durchblutung werden in der Lunge räumlich aufeinander abgestimmt. [2][5][35]

Der Körperkreislauf

Aus dem linken Vorhof gelangt das Blut durch die Mitralklappe in die linke Kammer. Bei deren Auswurf öffnet sich die Aortenklappe. Die Aorta und ihre Äste verteilen das Blut in die Organe. Deren kleinere Gefäße verzweigen sich bis zu den Austauschflächen im Gewebe. [2][35][37]

Sauerstoff wird von den Zellen genutzt, Nährstoffe werden aufgenommen und Stoffwechselprodukte abgegeben. Venolen sammeln das Blut aus den Kapillaren. Sie vereinigen sich zu größeren Venen, bis die obere und untere Hohlvene den Rückweg zum rechten Vorhof abschließen. [2][35][37]

Die meisten Organstromgebiete des Körperkreislaufs liegen parallel zueinander. Sie erhalten Anteile desselben arteriellen Auswurfs und können ihre Durchblutung unterschiedlich verändern. Lungen- und Körperkreislauf sind dagegen hintereinandergeschaltet: Blut durchläuft nacheinander beide Abschnitte und beide Herzhälften. [2][35][37]

Wie Blutdruck und Blutstrom zusammenhängen

Blut strömt entlang eines Druckgefälles. Wie groß der Strom ausfällt, hängt außerdem vom Strömungswiderstand ab. Besonders die Weite kleiner Gefäße hat großen Einfluss auf diesen Widerstand. Glatte Muskelzellen in ihrer Wand können den Durchmesser verändern. [8][26]

Der arterielle Druck schwankt während des Herzzyklus. Der systolische Wert beschreibt das Druckmaximum, der diastolische das Minimum. Die elastischen großen Arterien werden beim Auswurf gedehnt und geben anschließend gespeicherte Energie wieder ab. Dadurch unterstützen sie den fortlaufenden Blutstrom während der Entspannungsphase des Herzens. [8][26]

Für den mittleren arteriellen Druck sind das Herzzeitvolumen und der gesamte periphere Widerstand wesentliche Größen. Das Herzzeitvolumen ergibt sich aus Herzfrequenz und Schlagvolumen. Ein Bedarf an höherer Durchblutung kann über mehrere Wege beantwortet werden: durch eine größere Herzleistung, örtliche Gefäßerweiterung und eine veränderte Verteilung des Blutstroms. [8][26]

Wie ein Organ seine Durchblutung anpasst

Aktive Gewebe benötigen häufig mehr Sauerstoff und geben mehr Stoffwechselprodukte ab. Lokale chemische Bedingungen wirken auf die kleinen Gefäße ein. Diese können sich erweitern und so den Zufluss zum betreffenden Gebiet erhöhen. Endothelzellen vermitteln zusätzliche Signale, etwa über Stickstoffmonoxid. [27][32]

Daneben bestehen nervale und hormonelle Einflüsse. Der Sympathikus verändert die Gefäßspannung in vielen Stromgebieten. Rezeptorausstattung, örtliche Bedingungen und die Funktion des jeweiligen Organs bestimmen die Antwort. Während körperlicher Belastung erhalten beanspruchte Muskeln einen größeren Anteil des Blutstroms. Die Hautdurchblutung wird unter anderem entsprechend dem Wärmehaushalt verändert. [27][32]

Eine solche Anpassung verbindet die Gesamtregulation mit der örtlichen Versorgung. Gehirn, Herz und Nieren besitzen jeweils besondere Mechanismen und Anforderungen. Ihre Durchblutung lässt sich deshalb aus der Kombination von Gefäßbau, Druckverhältnissen und Organfunktion verstehen. [27][32]

Der venöse Rückweg

Im Venensystem ist der Druck deutlich niedriger als in den großen Arterien. Viele Venen lassen sich stark dehnen und dienen als Volumenspeicher. Veränderungen ihres Spannungszustands beeinflussen, wie viel Blut zum Herzen zurückkehrt. [26][27][29]

In den Beinen unterstützen Muskelkontraktionen den Rücktransport. Wird eine Vene durch ihre Umgebung zusammengedrückt, begrenzen Venenklappen den Rückfluss. Auch die Druckänderungen bei der Atmung beeinflussen den venösen Strom. Der Rückstrom bestimmt gemeinsam mit weiteren Faktoren die Füllung des Herzens und damit seine Ausgangsbedingungen für den nächsten Schlag. [26][27][29]

Beim Wechsel vom Liegen zum Stehen verlagert die Schwerkraft Blut in tiefere Körperregionen. Rasche Anpassungen von Gefäßspannung und Herzfrequenz helfen, den Kreislauf aufrechtzuerhalten. Längerfristig tragen Nieren und hormonelle Systeme zur Regelung von Wasser- und Salzhaushalt bei. [26][27][29]

Kurze und lange Wege der Regulation

Dehnungsfühler in großen herznahen Arterien erfassen Änderungen der Gefäßdehnung. Über Nervenbahnen gelangen ihre Signale zu Kreislaufnetzwerken im Hirnstamm. Diese verändern autonome Signale an Herz und Gefäße. Der Baroreflex unterstützt so die kurzfristige Stabilisierung des Drucks. [27]

Über längere Zeiträume ist die Regulation des Blutvolumens bedeutsam. Die Nieren passen die Ausscheidung von Wasser und Natrium an. Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, ADH und natriuretische Peptide wirken an diesen Anpassungen mit. Herz, Gefäße, Nervensystem und Nieren sind dadurch eng miteinander verbunden. [27]

Das autonome Nervensystem verbindet die kurzfristige Kreislaufregelung mit den Anforderungen anderer Organe. Derselbe Blutweg lässt sich dadurch über seinen räumlichen Aufbau und über die laufende Anpassung seiner Tätigkeit verstehen. [27]

Besondere Verbindungen zwischen Organen

Das Pfortadersystem verbindet zwei Kapillargebiete hintereinander. Blut aus großen Teilen des Verdauungstrakts fließt zunächst durch die Pfortader zur Leber. Dort werden aufgenommene Stoffe verarbeitet, gespeichert oder verändert. Anschließend gelangt es über die Lebervenen in den großen venösen Rückstrom. [14][15][24][37]

Auch das Herz benötigt eine eigene Versorgung. Die Herzkranzarterien bringen Blut zum Herzmuskel; Herzvenen führen es wieder ab. Die Lunge besitzt zusätzlich zum Weg des Gasaustauschs eine bronchiale Versorgung von Organgewebe. Diese Beispiele zeigen, wie sich der allgemeine Transportweg an besondere Organaufgaben anpasst. [14][15][24][37]

Was beim Aufstehen innerhalb weniger Sekunden passiert

Beim Aufstehen erhöht die Schwerkraft den Druck in tiefer gelegenen Venen. Sie nehmen vorübergehend mehr Blut auf; der Rückstrom zum Herzen und die Kammerfüllung können abnehmen. Sinkt dadurch der arterielle Druck, werden die Dehnungsfühler im Karotissinus und Aortenbogen weniger gedehnt. Ihre Signale an den Hirnstamm verändern sich. [27]

Als Antwort nehmen sympathische Einflüsse auf Herz und Gefäße zu, während der bremsende Einfluss auf den Herztakt nachlassen kann. Das Herz schlägt schneller und kräftiger; Arteriolen und Venen verändern ihre Spannung. Diese Rückkopplung unterstützt die Versorgung des Kopfes. Sobald die Druckverhältnisse sich stabilisieren, passen sich auch die Sensorsignale erneut an. [27]

Wichtige Begriffe

Herzzeitvolumen
Blutvolumen, das eine Herzkammer pro Minute auswirft.
Perfusion
Durchblutung eines Gewebes oder Organs.
Arteriole
Kleine Arterie mit wichtiger Funktion bei der Widerstands- und Durchblutungsregulation.
Baroreflex
Rasche Kreislaufanpassung anhand von Signalen arterieller Dehnungsfühler.

Häufige Fragen

Warum braucht der Körper zwei Kreisläufe?

Der Lungenkreislauf führt Blut zum Gasaustausch. Der Körperkreislauf versorgt die Organe. Beide sind über die zwei Herzhälften miteinander verbunden. [5][35]

Warum ist die linke Kammer kräftiger als die rechte?

Die linke Kammer erzeugt den höheren Druck für den Körperkreislauf. Ihre dickere Muskelwand ermöglicht diese Druckarbeit. Die rechte Kammer fördert dieselbe mittlere Blutmenge durch die Lunge, deren Gefäßsystem mit geringerem Druck arbeitet. [5][35]

Weiter im Zusammenhang

Quellen und Weiterlesen

  1. NIH / NHLBI: How Blood Flows through the Heart Stand Juni 2025; Klappen, Anschlüsse, Lungen-/Körperkreislauf und koronare Versorgung. Abgerufen am 07.11.2026.
  2. OpenStax / Rice University: Heart Anatomy Anatomy and Physiology 2e; Lage, räumliche Beziehungen, Schichten, Kammern, Klappen, Herzskelett und koronare Wege. Abgerufen am 07.11.2026.
  3. OpenStax / Rice University: Cardiac Physiology Anatomy and Physiology 2e; Schlagvolumen, Herzzeitvolumen, Ejektionsfraktion, Füllung, Auswurflast und autonome Regulation. Abgerufen am 07.11.2026.
  4. University of Minnesota / Visible Heart Laboratories: What is the Coronary System Ursprung der Herzkranzarterien oberhalb der Aortenklappe, epikardiale Wege und intramurale Versorgung. Abgerufen am 07.11.2026.
  5. University of Minnesota / Visible Heart Laboratories: Cardiac Veins Koronarsinus und weitere venöse Abflusswege. Lage des Sinus von seiner Mündung in den rechten Vorhof unterschieden. Abgerufen am 07.11.2026.
  6. Elvira Bierbach (Hrsg.): Naturheilpraxis Heute – Gefäßaufbau 7. Auflage, Elsevier 2024. Abschnitt 11.2.1 Aufbau des Gefäßsystems: Kreislaufwege, Arterien, Arteriolen, Kapillaren und Venolen/Venen.
  7. OpenStax / Rice University: Structure and Function of Blood Vessels Anatomy and Physiology 2e; Intima/Media/Adventitia, Gefäßtypen, Endothel, venöser Rückweg und Vasa vasorum. Abgerufen am 07.11.2026.
  8. OpenStax / Rice University: Blood Flow, Blood Pressure, and Resistance Anatomy and Physiology 2e; Druckgefälle, Widerstand, vereinfachtes Radiusmodell, Compliance, Pulswelle und venöser Rückstrom. Abgerufen am 07.11.2026.
  9. OpenStax / Rice University: Homeostatic Regulation of the Vascular System Anatomy and Physiology 2e; Lokale/metabolische/myogene Regulation, autonome und hormonelle Signale, Baroreflex und Volumenregelung. Abgerufen am 07.11.2026.
  10. University of Leeds: Veins Venolen-/Venenwand, Adventitia, Klappen, Rückstrom und histologischer Vergleich. Abgerufen am 07.11.2026.
  11. Joseph Loscalzo: Nitric oxide in vascular biology: elegance in complexity J Clin Invest. 2024;134(4):e176747. DOI 10.1172/JCI176747. Viewpoint: Endothel-NO, sGC/cGMP, glatte Muskulatur und Zellkontakte. Abgerufen am 07.11.2026.
  12. IQWiG: Wie funktioniert der Kreislauf? Stand 06.09.2023; zusammenhängender Lungen-/Körperkreislauf und gerichtete Herzanschlüsse. Abgerufen am 07.11.2026.
  13. OpenStax / Rice University: Circulatory Pathways Anatomy and Physiology 2e; Abschnitte zu Anastomosen und Hepatic Portal System: parallele/verbundene Wege, Pfortader, Leberarterie und Lebervenen. Abgerufen am 07.11.2026.