Auf einen Blick
- Fünf große Zellgruppen unterscheiden sich im Ausstrich durch Kernform und Granulierung.
- Weiße Blutzellen verbinden Abwehr, Kommunikation und gezielte Bewegung ins Gewebe.
- Das Differentialblutbild beschreibt die einzelnen Gruppen als absolute Zahlen oder Prozentanteile.
Eine gemeinsame Bezeichnung für verschiedene Zelltypen

Gesundheitskapitel
Leukozyten sind die weißen Blutzellen. Sie besitzen einen Zellkern und übernehmen Aufgaben in Abwehr, Entzündungssteuerung und Gewebearbeit. Das Blut transportiert sie zwischen Bildungsorten, lymphatischen Organen und Einsatzgebieten. Ihre Aufgaben werden verständlich, wenn man die einzelnen Zellgruppen und ihren Weg aus dem Gefäß in das Gewebe betrachtet. [1][2]
Im üblichen Differentialblutbild werden fünf große Gruppen unterschieden: neutrophile, eosinophile und basophile Granulozyten sowie Monozyten und Lymphozyten. Diese Einteilung folgt sichtbaren Merkmalen im gefärbten Blutausstrich. Innerhalb der Gruppen gibt es weitere funktionelle Unterteilungen, die beispielsweise über Oberflächenproteine und gezielte Laborverfahren erfasst werden. [3][4]
Granula und Zellkerne geben Orientierung
Granulozyten besitzen auffällige spezifische Granula im Zytoplasma. Je nach Färbeverhalten und Kernform werden die drei Granulozytengruppen unterschieden. Bei Monozyten und Lymphozyten steht im üblichen Ausstrich ein anderes Muster aus Zellgröße, Kern und Zytoplasmasaum im Vordergrund. Die Bezeichnung „Agranulozyten“ beschreibt diese lichtmikroskopische Einteilung. [4][3]
Für das Wiedererkennen betrachtet man mehrere Merkmale gleichzeitig. Die Zahl und Verbindung der Kernlappen, die Farbe der Granula und der Anteil des Zytoplasmas ergänzen sich. Reifegrad und Aktivierungszustand können das Erscheinungsbild verändern. Die Einordnung erfolgt deshalb anhand der gesamten Zelle und ihrer Umgebung im Präparat. [4][3]
Neutrophile Granulozyten: Aufnahme und Abbau
Ein reifer neutrophiler Granulozyt besitzt typischerweise einen gelappten Zellkern. Schmale Verbindungen halten die Kernabschnitte zusammen. Sein Zytoplasma enthält feine Granula mit unterschiedlichen gespeicherten Bestandteilen. Neutrophile werden im Knochenmark gebildet und können bei örtlichen Entzündungsreizen gezielt aus der Blutbahn rekrutiert werden. [4][5]
Bei der Phagozytose umschließt die Zelle ein aufgenommenes Teilchen mit ihrer Membran. Es entsteht ein inneres Bläschen, das Phagosom. Granulabestandteile und weitere Mechanismen wirken dort an der Bekämpfung aufgenommener Erreger mit. Die räumliche Abgrenzung bringt das aufgenommene Material mit wirksamen Stoffen in einem eigenen Reaktionsraum zusammen. [5][6]
Die neutrophile Antwort umfasst außerdem Kommunikation mit anderen Zellen. Botenstoffe beeinflussen ihre Bewegung, Aktivierung und Verweildauer. Ort und Art des Reizes prägen dabei das Verhalten. Die unterschiedlichen Zustände werden heute mit zellbiologischen und molekularen Verfahren untersucht und ergänzen die klassische Beschreibung aus dem Ausstrich. [5]
Eosinophile und Basophile: Spezialisierte Granula
Eosinophile Granulozyten zeigen häufig einen zweigelappten Kern und große orange bis rötlich färbbare Granula. Ihre gespeicherten Proteine tragen unter anderem zur Antwort auf bestimmte Parasiten bei. Eosinophile sind außerdem an allergischen und anderen entzündlichen Reaktionen beteiligt. Ihr Verhalten wird wesentlich durch Signale aus dem umgebenden Gewebe geprägt. [4][7]
Basophile Granulozyten enthalten grobe, dunkel blauviolette Granula, die Teile ihres Kerns im Ausstrich überdecken können. Sie besitzen Rezeptoren für IgE und können nach passender Aktivierung Mediatoren wie Histamin freisetzen. Dadurch beeinflussen sie die örtliche Gefäß- und Entzündungsreaktion. Im zirkulierenden Blut bilden sie eine kleine Leukozytengruppe. [4][1]
Monozyten verbinden Blutbahn und Gewebe
Monozyten gehören zu den größeren Zellen im üblichen Blutausstrich. Ihr Kern ist häufig eingebuchtet oder nierenförmig. Das relativ ausgedehnte Zytoplasma erscheint blaugrau und kann feine Granula enthalten. Anhand dieser Kombination lassen sie sich von kleinen Lymphozyten und den deutlich gelappten Granulozyten unterscheiden. [4]
Monozyten können auf entzündliche Signale hin ins Gewebe einwandern und sich dort weiter spezialisieren, etwa zu Makrophagen. Zu ihren Aufgaben gehören die Aufnahme von Zellresten und Erregern sowie die Freisetzung von Botenstoffen. Damit wirken sie an Abwehr, der Beseitigung geschädigten Materials und der Organisation anschließender Gewebeprozesse mit. [6][7]
Lymphozyten: B-Zellen, T-Zellen und NK-Zellen
Kleine Lymphozyten fallen durch ihren großen runden Kern und einen schmalen Zytoplasmasaum auf. Zur lymphatischen Zellgruppe gehören B- und T-Lymphozyten sowie natürliche Killerzellen. B-Zellen reifen im Knochenmark; T-Zellvorläufer durchlaufen wesentliche Reifungsschritte im Thymus. Die Ausgangszellen stammen aus dem blutbildenden System. [8][4]
Aus passend aktivierten B-Zellen können Plasmazellen hervorgehen, die Antikörper abgeben. Weitere Nachkommen erhalten Informationen für eine spätere Antwort auf das betreffende Antigen. Antikörper binden bestimmte Strukturen und unterstützen unter anderem die Erkennung und Beseitigung entsprechender Ziele durch weitere Teile des Immunsystems. [9]
T-Zellen besitzen unterschiedliche Funktionen. Helfer-T-Zellen organisieren Antworten über Signale an andere Zellen. Zytotoxische T-Zellen können passende veränderte oder infizierte Zielzellen erkennen und abtöten. Dabei ist die Präsentation von Antigenfragmenten auf MHC-Molekülen bedeutsam. Regulatorische T-Zellen wirken an der Begrenzung und Abstimmung von Immunantworten mit. [10]
Natürliche Killerzellen können ebenfalls infizierte oder veränderte Zellen angreifen. Sie enthalten dafür zytotoxische Granula. Ihre Zuordnung beruht auf eigenen Rezeptor- und Funktionsmerkmalen. Welche lymphatische Untergruppe vorliegt, wird bei entsprechenden Fragestellungen mit gezielten Untersuchungen wie der Immunphänotypisierung genauer bestimmt. [11][1]
Wie Leukozyten den richtigen Ort erreichen
Ein entzündetes Gewebe beeinflusst das darüberliegende Endothel und die Zusammensetzung örtlicher Botenstoffe. An vielen postkapillären Venolen lässt sich der Weg exemplarisch als Abfolge von Kontakt, Rollen, fester Haftung und Durchtritt verfolgen. Adhäsionsmoleküle an Endothel und Leukozyt sowie aktivierende Rezeptorsignale arbeiten dabei zusammen. [5]
Nach dem Durchtritt durch die Gefäßwand bewegen sich die Zellen entlang örtlicher Signale weiter. Chemokine und andere Lockstoffe binden an passende Rezeptoren und beeinflussen das Zytoskelett. Auf diese Weise wird die Bewegung innerhalb des Gewebes ausgerichtet. Der genaue Ablauf hängt vom Organ, Zelltyp und Entzündungsreiz ab. [5][6]
Gesundheitskapitel
Blut und lymphatische Organe bilden Verkehrswege
Lymphknoten, Milz und lymphatisches Gewebe an Schleimhäuten bringen Abwehrzellen mit Material aus verschiedenen Körperregionen zusammen. Lymphknoten erhalten über die Lymphe Bestandteile aus dem Gewebe. Die Milz steht mit dem Blutstrom in Verbindung. In diesen Räumen können Zellen zusammentreffen, Informationen austauschen und passende Antworten aufbauen. [8]
Die Lymphe wird nach ihrem Weg durch das lymphatische Gefäßsystem wieder in den venösen Kreislauf zurückgeführt. Für die Leukozyten ergeben sich dadurch miteinander verbundene Aufenthalts- und Transportbereiche. Das Blutbild zeigt eine Probe aus einem dieser Bereiche. Der Kreislauf bildet die Verbindung zu Bildungsorten und zahlreichen Geweben. [8][2]
Gesamtzahl und Differentialblutbild lesen
Die Gesamtleukozytenzahl bezeichnet die Zahl weißer Blutzellen in einer bestimmten Blutmenge. Das Differentialblutbild ergänzt die einzelnen Gruppen als absolute Zahl oder Prozentanteil. Ein Prozentwert beschreibt die Zusammensetzung des untersuchten Bestands. Die absolute Zahl verbindet diesen Anteil mit der Gesamtmenge. Beide Angaben helfen bei der Auswertung. [2][7]
Ein Rechenbeispiel macht den Unterschied anschaulich: Bei insgesamt 6 × 10⁹ Leukozyten pro Liter und einem Anteil von 50 Prozent ergeben sich 3 × 10⁹ Zellen der betreffenden Gruppe pro Liter. Diese reine Umrechnung hilft, Befunde verschiedener Darstellungsformen zu vergleichen. Für Referenzbereiche werden Alter und die Angaben des untersuchenden Labors berücksichtigt. [2][7]
Eine erhöhte Gesamtzahl heißt Leukozytose, eine erniedrigte Leukopenie. Veränderungen können beispielsweise mit Infektionen, Entzündung, Medikamenten, Belastungsreaktionen oder einer veränderten Blutbildung zusammenhängen. Die Auswertung verbindet deshalb Zellverteilung und zeitlichen Verlauf mit dem Untersuchungsanlass. Bei speziellen Fragen ergänzen Ausstrich oder weitere Zelluntersuchungen das Blutbild. [2][7]
Die Zellgruppen im Zusammenhang verstehen
Die Leukozyten verbinden zwei Ebenen der Abwehr: rasch verfügbare Reaktionen auf typische Erreger- und Schädigungsmuster sowie spezifisch aufgebaute lymphatische Antworten. Botenstoffe und Zellkontakte stimmen diese Ebenen aufeinander ab. Antikörper, phagozytierende Zellen und T-Zellen können sich bei einer passenden Antwort gegenseitig unterstützen. [6][10][9]
Zum Weiterlernen lohnt sich der Weg von der Entstehung über die Struktur zur Tätigkeit: Das Kapitel Blutbildung erklärt den Nachschub; Blut beschreibt das Transportmedium. Im Gewebe zeigen sich dann die Aufgaben, für die Kern, Granula, Rezeptoren und Bewegungsapparat der jeweiligen Leukozytengruppe zusammenarbeiten. [1][6]
Diese Zusammenhänge vertiefen
Quellen und Weiterlesen
- OpenStax: Anatomy and Physiology 2e, 18.4 Leukocytes and Platelets Characteristics of Leukocytes; Granular Leukocytes; Agranular Leukocytes; Platelets.
- MedlinePlus: White Blood Count (WBC) What is a white blood count?; What do the results mean? Gesamtzahl, Leukozytose/Leukopenie, Befundkontext.
- Columbia University: Histology Lab – Blood Einteilung der geformten Blutbestandteile; Untersuchung gefärbter Blutausstriche.
- University of Leeds: The Histology Guide – White Blood cells Einleitung: lichtmikroskopische Einteilung; Neutrophils, Eosinophils, Basophils, Lymphocyte und Monocyte: Kernform und Granulierung.
- Zhang F et al. (2024): Neutrophil diversity and function in health and disease. Signal Transduct Target Ther 9:343. DOI:10.1038/s41392-024-02049-y Discovery of chemoattractants; Neutrophil recruitment cascade model; Neutrophil phagocytosis. Veröffentlicht 06.12.2024.
- OpenStax: Anatomy and Physiology 2e, 21.2 Barrier Defenses and the Innate Immune Response Cells of the Innate Immune Response; Phagocytes; Cytokines and Chemokines; The Inflammatory Response.
- MedlinePlus: Blood Differential What is a blood differential test?; What do the results mean? Einzelzelltypen, absolute Mengen bzw. Prozentanteile und Einflussfaktoren.
- Columbia University: Histology Lab – Lymphoid Tissues Components of the Lymphatic System: primäre/sekundäre lymphatische Organe, B- und T-Zellreifung, Lymphrückfluss.
- OpenStax: Anatomy and Physiology 2e, 21.4 The Adaptive Immune Response: B-lymphocytes and Antibodies B Cell Differentiation and Activation; Antibody Structure; Clonal Selection of B Cells; Primary versus Secondary B Cell Responses.
- OpenStax: Anatomy and Physiology 2e, 21.3 The Adaptive Immune Response: T lymphocytes and Their Functional Types T Cell-Mediated Immune Responses; Antigen Processing and Presentation; Functional Types of T Cells.
- National Cancer Institute: Natural killer cell Definition: weiße Blutzelle mit zytotoxischen Granula gegen infizierte oder veränderte Zellen.