Auf einen Blick

  • Follikelphase im Ovar und Blutung im Uterus beginnen im gezählten Zyklus gleichzeitig.
  • Der LH-Anstieg verbindet Oozytenreifung, Ovulation und nachfolgende Gelbkörperbildung.
  • Biologische Phasen und ihre Übergänge bestimmen die individuelle Zeitachse.

[9][11][12][34]

Zwei Organabläufe auf derselben Zeitachse

Im Eierstock werden Follikelphase, Ovulation und Lutealphase unterschieden. In der Gebärmutterschleimhaut beschreiben Menstruation, Proliferationsphase und Sekretionsphase die Veränderungen. Am ersten Blutungstag beginnt die Zählung eines neuen Zyklus. Während die Gebärmutter ihre oberflächliche Schleimhautschicht abgibt, läuft im Eierstock bereits die frühe Follikelphase. [11][12][37]

Die Phasenbezeichnungen ordnen daher Vorgänge an verschiedenen Orten ein. Ein wachsender Follikel setzt zunehmend Östradiol frei; gleichzeitig wird das Endometrium nach der Blutung wieder aufgebaut. Nach dem Eisprung entsteht der Gelbkörper und verändert mit seinem Progesteron die Schleimhaut in Richtung Sekretion. Der Rückgang der Gelbkörperfunktion leitet schließlich den Übergang zum nächsten Zyklus ein. [11][12]

Drei beschriftete Zeitbereiche verbinden frühe und späte Follikelphase mit Lutealphase. Darunter Follikelwachstum, LH-Anstieg und Eisprung, Gelbkörper und Rückbildung; parallel Blutung, Aufbau und sekretorische Umgestaltung des Endometriums.
Die gemeinsame Zeitachse ordnet die Reihenfolge ohne festen Ovulationstag. Im Eierstock wechseln Follikelwachstum und Gelbkörperphase; in der Gebärmutter folgen auf Blutung und Aufbau die sekretorischen Veränderungen.
Gesundheitskapitel

Vier Stationen eines abgestimmten Zyklus

Ein Follikel wächst heran

Ein dominanter antraler Follikel erhöht die Östradiolbildung; die Schleimhaut wird nach der Blutung wieder aufgebaut. [9][12]

Der Eisprung verbindet zwei Phasen

Der LH-Anstieg verbindet Oozytenreifung, Öffnung der Follikelwand und Freisetzung des Zellverbands. [9][12]

Der Gelbkörper verändert das Umfeld

Progesteron aus dem Gelbkörper unterstützt die sekretorische Umgestaltung des Endometriums. [11][12]

Die Blutung markiert den neuen Zählbeginn

Bei Rückbildung des Gelbkörpers fallen seine Steroidsignale ab; die Functionalis wird abgegeben und die nächste Entwicklung setzt sich fort. [12]

Ein Follikel ist ein Entwicklungsraum

In der Rinde des Eierstocks liegen Oozyten in unterschiedlichen Follikelstadien. Der Primordialfollikel enthält eine primäre Oozyte mit flachen umgebenden Zellen. Beim Wachstum werden diese Zellen zunächst kubisch und später mehrschichtig. Es entstehen Granulosa und eine äußere Theka; zwischen Oozyte und Granulosazellen liegt die Zona pellucida. [9]

Später verbinden sich Flüssigkeitsräume in der Granulosa zum Antrum. Die Oozyte liegt seitlich in einem Zellhügel, dem Cumulus oophorus. Seine Verbindung zur Follikelwand und die enge Nachbarschaft der Zelltypen unterstützen ihre Versorgung. Die äußere Theka besitzt Gefäße, während die Granulosa vor der Ovulation durch eine Basallamina von diesem vaskulären Bereich getrennt bleibt. [9]

Viele frühe Follikel wachsen über einen längeren Zeitraum, bevor ihre spätere Entwicklung eng vom zyklischen Gonadotropinmuster abhängt. Aus der antralen Gruppe setzt sich gewöhnlich ein dominanter Follikel durch. Andere Follikel durchlaufen eine Atresie. Die laufende Follikelentwicklung reicht zeitlich über den Ausschnitt eines einzelnen gezählten Zyklus hinaus. [9][39]

Dreidimensional eröffneter Follikel mit großem Antrum, seitlicher Oozyte im Cumulus, Zona pellucida, mehrschichtiger Granulosa und außerhalb liegender vaskulärer Theka. Der Oozytenkern ist intakt sichtbar.
Ein antral entwickelter Follikel vor der meiotischen Wiederaufnahme: Die Oozyte liegt im Cumulus an der Wand. Die vaskuläre Theka liegt außerhalb der Granulosa und ihrer basalen Grenze. KI-generierte Illustration.
Gesundheitskapitel

Gehirn und Hypophyse geben zeitliche Signale

GnRH wird aus hypothalamischen Nervenzellen in Pulsen abgegeben und erreicht den Hypophysenvorderlappen über Portalgefäße. Dort beeinflusst es die Freisetzung von FSH und LH. Diese Hormone gelangen über die allgemeine Blutbahn zum Eierstock. Ovarielle Steroide und Inhibine geben Rückmeldungen an die übergeordneten Stationen. [11]

FSH unterstützt antrale Granulosazellen und deren Fähigkeit zur Östrogenbildung. LH fördert in der Theka die Bereitstellung von Androgenen. Die Granulosa wandelt passende Androgenvorstufen mithilfe der Aromatase zu Östrogenen um. Gegen Ende der Follikelphase verändert sich auch die Rezeptorausstattung der Granulosazellen. [11][33]

Mit steigendem Östradiol und Inhibin verändert sich die FSH-Anregung. Ein Follikel mit günstiger Ausstattung kann unter diesen Bedingungen weiter wachsen. Seine zunehmende Hormonproduktion wirkt auf das gesamte Regelnetz zurück. Entscheidend sind dabei Verlauf, Dauer und Empfindlichkeit der beteiligten Zellen. [11]

Östradiol baut das Endometrium wieder auf

Nach der Blutung ermöglichen erhaltene basale Schleimhautanteile die Regeneration. Unter Östrogeneinfluss vermehren sich Epithel- und Stromazellen. Die funktionelle Schicht wird höher, und die Drüsen erscheinen im histologischen Schnitt zunächst relativ gerade und schmal. Die Oberfläche wird wieder durchgehend mit Epithel bedeckt. [10][12]

Das Stroma liegt zwischen den Drüsen und enthält Zellen, Matrix und Gefäße. Gerade Gefäßäste versorgen die Basalis; weiter nach oben ziehen spiralig verlaufende Arteriolen in die Functionalis. Schleimhautwachstum umfasst damit Drüsen, Zwischengewebe und eine entsprechend veränderte Gefäßversorgung. [10][12][22]

Auch der Zervixschleim reagiert auf die ovarielle Entwicklung. Unter stärkerem Östrogeneinfluss wird er meist reichlicher, dünnflüssiger und dehnbarer. Die Passage im Gebärmutterhals verändert sich somit parallel zur weiter oben wachsenden Schleimhaut. Beide Gewebe nutzen dieselbe hormonelle Umgebung für verschiedene Aufgaben. [11][12]

Zwei geöffnete Gewebeblöcke: links überwiegend gerade, rechts gewundene sekretorische Drüsen. In beiden liegen Functionalis und Basalis über dem Myometrium. Drüsenlumina öffnen sich an der Oberfläche; Gefäße verlaufen im Zwischengewebe.
Links zeigt die Schleimhaut überwiegend gerade Drüsen der Proliferationsphase, rechts gewundene sekretorische Drüsen. Die Basalis bleibt unterhalb der veränderlichen Functionalis erhalten; darunter liegt die glatte Muskulatur des Myometriums. KI-generierte Illustration.
Gesundheitskapitel

Der LH-Anstieg leitet die Ovulation ein

Ein ausreichend hohes und anhaltendes Östradiolsignal kann die Rückkopplung in eine fördernde Richtung verändern. Der ausgeprägte LH-Anstieg löst mehrere verbundene Vorgänge aus: Die meiotische Reifung der Oozyte wird wieder aufgenommen, Follikelzellen verändern ihre Funktion und die Wand des Follikels wird örtlich umgebaut. [11][12]

Vor der Ovulation schließt die Oozyte gewöhnlich die erste meiotische Teilung ab. Dabei werden Zellbestandteile ungleich verteilt: Es entstehen eine große sekundäre Oozyte und ein kleiner erster Polkörper. Die sekundäre Oozyte tritt in die zweite meiotische Teilung ein und bleibt zunächst in deren Metaphase stehen. Die große Zelle behält den überwiegenden Teil des Zytoplasmas für die folgende Entwicklung. [9][39]

Beim Eisprung öffnet sich die Follikeloberfläche. Die sekundäre Oozyte wird mit Zona pellucida und umgebenden Cumuluszellen freigesetzt. Der benachbarte Fimbrientrichter kann diesen Zellverband aufnehmen. Die hormonelle Umschaltung, die Gewebeöffnung und die Zellreifung bilden gemeinsam den Übergang zwischen Follikel- und Lutealphase. [9][12]

Was während der Tubenpassage geschieht

Im Eileiter wirken Flimmerzellen, Sekrete und glatte Muskulatur zusammen. Die Falten der Schleimhaut vergrößern die Kontaktfläche mit der Flüssigkeit im Lumen. Die Ampulle bietet den gewöhnlichen Ort der Befruchtung; danach beginnen während der weiteren Passage frühe Zellteilungen. Der Weg führt über Isthmus und intramuralen Tubenabschnitt in die Gebärmutterhöhle. [9]

Die Befruchtung setzt in der Oozyte die Beendigung der zweiten meiotischen Teilung in Gang. Der einfache mütterliche und der einfache väterliche Chromosomensatz stehen danach für die Entwicklung der Zygote bereit. Zellteilung, Transport und spätere Einnistung sind aufeinanderfolgende Vorgänge an unterschiedlichen Orten. Die Qualität der Tubenschleimhaut und die Durchgängigkeit des Wegs sind für diesen Zusammenhang wesentlich. [9]

Aus Follikelgewebe wird der Gelbkörper

Nach der Ovulation wandeln sich verbleibende Granulosa- und Thekazellen zu lutealen Zellen um. Die frühere basale Abgrenzung wird umgebaut, Gefäße wachsen ein und das Gewebe wird intensiv versorgt. Der Gelbkörper bildet Progesteron sowie Östrogene. Seine hormonelle Tätigkeit prägt die Lutealphase und wirkt auf Hypothalamus und Hypophyse zurück. [9][11][12]

Progesteron verändert die zuvor östrogengeprägte Gebärmutterschleimhaut. Drüsen werden gewundener, ihr Lumen verändert sich und Sekrete werden abgegeben. Das Stroma wird umgebaut; im Verlauf entwickeln sich örtlich Eigenschaften einer Dezidualreaktion. Die Schleimhaut stellt dadurch veränderte Bedingungen für einen möglichen Kontakt mit einem frühen Embryo bereit. [10][12]

Im Gebärmutterhals führt Progesteron zu dichterem Schleim. Auch die Körpertemperaturregulation verändert sich; nach der Ovulation ist häufig ein anhaltender Temperaturanstieg messbar. Der zeitliche Zusammenhang erklärt, weshalb Temperaturaufzeichnungen rückblickend zur Einordnung eines Zyklus genutzt werden können. [11][12]

Schwangerschaftssignal oder Rückbildung

Bei beginnender Schwangerschaft bildet das entstehende Trophoblastgewebe hCG. Dieses Signal unterstützt den Erhalt des Gelbkörpers und damit zunächst seine Hormonproduktion. Später übernimmt die Plazenta zunehmend die Versorgung mit den benötigten Steroidhormonen. Das Signal entsteht somit außerhalb des Eierstocks und erhält dort eine vorübergehend gebildete Drüse. [11][12]

Bleibt das erhaltende Signal aus, bildet sich der Gelbkörper zurück. Die Konzentrationen von Progesteron und Östradiol fallen. Im Eierstock bleibt ein bindegewebig umgebauter Rest, das Corpus albicans. Gleichzeitig verändert sich die hormonelle Unterstützung des Endometriums und die Anregung der nächsten Follikelgruppe. [9][12]

Menstruation ist ein geregelter Gewebeumbau

Der Rückgang der Steroidwirkung löst im Endometrium örtliche Signale aus. Gefäßreaktionen, Entzündungsmediatoren und gewebespaltende Enzyme wirken am Abbau der Functionalis mit. Blut und Gewebebestandteile gelangen über Zervikalkanal und Vagina nach außen. Die tiefere Basalis bleibt als Ausgangspunkt der folgenden Regeneration erhalten. [10][12]

Abbau und Reparatur sind zeitlich eng verzahnt. Während oberflächliche Bereiche noch abgestoßen werden, beginnt andernorts bereits die Wiederbedeckung mit Epithel. Die Schleimhaut ist deshalb ein anschauliches Beispiel für wiederholte physiologische Erneuerung. Die zeitlich überlappende Abgabe und Regeneration erhalten eine erneuerungsfähige Schleimhaut. [12][33]

Warum die tatsächliche Zeitachse unterschiedlich ausfällt

Der erste Blutungstag ist ein festgelegter Zählbeginn. Die Dauer bis zum Eisprung hängt vom Verlauf der Follikelentwicklung ab. Auch die Lutealphase besitzt eine biologische Streuung. Ein Lehrbild mit 28 Tagen veranschaulicht die Reihenfolge; individuelle Abläufe werden über die beobachteten Übergänge beschrieben. [12][34]

Eine große Auswertung appbasierter Zyklusaufzeichnungen fand erhebliche Unterschiede zwischen Zyklen. Die Analyse beruhte auf ausgewählten Nutzerinnen und einer algorithmischen Ovulationsschätzung aus Temperaturdaten, teilweise ergänzt durch LH-Tests. Sie unterstreicht die zeitliche Variabilität; die konkrete Bestimmung eines Eisprungs hängt vom verwendeten Messverfahren und dem vollständigen Verlauf ab. [34]

Lebensphase, Stillzeit, Energieverfügbarkeit, Erkrankungen und hormonelle Verhütung können die Achse und Blutungsmuster verändern. Für die medizinische Einordnung sind deshalb Dauer, Stärke, zeitlicher Verlauf und begleitende Beschwerden zusammen relevant. Wiederholt deutlich veränderte Muster oder neu auftretende Beschwerden geben Anlass, den Zusammenhang gezielt untersuchen zu lassen. [11][12]

Vier Stationen als Lesefaden

Zunächst wächst ein antraler Follikel weiter und erhöht die Östradiolbildung; parallel baut sich die Gebärmutterschleimhaut auf. Danach verbindet der LH-Anstieg die Reifung der Oozyte mit der Freisetzung aus dem Follikel. Der entstehende Gelbkörper richtet anschließend das hormonelle Umfeld auf die sekretorische Phase aus. Seine spätere Rückbildung leitet die Blutung und die weitere Entwicklung des nächsten Zyklus ein. [9][11][12]

Eierstock und Endometrium auf gemeinsamer Zeitachse

Eierstock und Endometrium auf gemeinsamer Zeitachse
Struktur oder PhaseAufbau, Funktion und Zusammenhang
Frühe FollikelphaseNeue Zykluszählung ab erstem Blutungstag; im Endometrium überlappen Abgabe und beginnende Reparatur. [11][12][37]
Weitere FollikelphaseFollikelwachstum und steigendes Östradiol; Aufbau des Endometriums in der Proliferationsphase. [11][12][33]
OvulationLH-Anstieg, meiotische Wiederaufnahme und Freisetzung des Oozyten-Cumulus-Verbandes. [9][11][12]
LutealphaseGelbkörper mit Progesteronbildung; sekretorische Umgestaltung von Drüsen und Stroma. [9][12]
GelbkörperrückbildungAbfall der Steroidwirkung und erneute Abgabe der Functionalis; bei beginnender Schwangerschaft unterstützt hCG den Gelbkörper. [11][12]

Wichtige Begriffe

Follikelphase
Entwicklungsabschnitt im Ovar bis zur Ovulation. [11]
Lutealphase
Zeit der Gelbkörperfunktion nach der Ovulation. [11][12]
Proliferationsphase
Östrogengeprägter Wiederaufbau des Endometriums. [10][12]
Sekretionsphase
Progesterongeprägte Umgestaltung der Drüsen und des Stromas. [10][12]
Functionalis
Zyklisch veränderliche und bei der Menstruation abgegebene Endometriumschicht. [10][12]

Häufige Fragen

Warum gehören Blutung und Follikelphase zum selben Zyklusbeginn?

Die Begriffe beschreiben zwei Organe. Während das Endometrium seine Functionalis abgibt und repariert, läuft im Ovar bereits die frühe Follikelphase. Die gemeinsame Zeitachse verbindet beide Vorgänge ab dem ersten Blutungstag. [11][12][37]

Wie wird aus dem Follikel ein Gelbkörper?

Nach der Ovulation wandeln sich verbliebene Granulosa- und Thekazellen zu lutealen Zellen um. Die vorherige Basalgrenze wird umgebaut und Gefäße wachsen ein. Die vorübergehende Drüse bildet insbesondere Progesteron. [9][11][12]

Im Gesundheitswissen weiterlesen

Quellen und Weiterlesen

  1. Naturheilpraxis Heute: Eierstöcke und Eileiter 7. Auflage, Elsevier 2024. Abschnitt 17.3.2. Abgerufen am 07.11.2026.
  2. Naturheilpraxis Heute: Gebärmutter 7. Auflage, Elsevier 2024. Abschnitt 17.3.3. Abgerufen am 07.11.2026.
  3. Naturheilpraxis Heute: Weibliche Sexualhormone 7. Auflage, Elsevier 2024. Abschnitt 17.3.4. Abgerufen am 07.11.2026.
  4. Naturheilpraxis Heute: Menstruationszyklus 7. Auflage, Elsevier 2024. Abschnitt 17.3.5. Abgerufen am 07.11.2026.
  5. University of Leeds: Uterus Abgerufen am 07.11.2026.
  6. Columbia University: Ovary Abgerufen am 07.11.2026.
  7. Columbia University: Uterus Abgerufen am 07.11.2026.
  8. Reed BG, Carr BR: The Normal Menstrual Cycle and the Control of Ovulation Abgerufen am 07.11.2026.
  9. Bull JR et al.: Real-world menstrual cycle characteristics of more than600,000 menstrual cycles Abgerufen am 07.11.2026.
  10. NICHD: About Menstruation Abgerufen am 07.11.2026.
  11. Williams/Erickson: Morphology and Physiology of the Ovary Endotext, aktualisiert30.01.2012. Abgerufen am 07.11.2026.