Auf einen Blick
- Lungenvenen sammeln Blut an anderen räumlichen Positionen als die zentralen Bronchial- und Arterienäste. [12]
Die Lunge besitzt mehrere Ansichtsflächen
Beide Lungen liegen seitlich des Mediastinums in ihren Pleuraräumen. Die gewölbte Rippenfläche folgt der inneren Brustwand. Die Basis ruht auf dem Zwerchfell, die Spitze ragt in den oberen Bereich des Thorax. An der medialen Fläche liegen das Hilum und die Beziehungen zu Herz, großen Gefäßen und weiteren Strukturen des Mittelfells. [1][11]
Eine Vorderansicht zeigt vor allem die nach vorn gerichteten Anteile. Unterlappen nehmen einen großen Teil der hinteren Lungenfläche ein. Ein Lappen ist deshalb ein räumlicher Körper, dessen sichtbare Fläche je nach Blickrichtung wechselt. Die Lagebeschreibung verbindet vorn und hinten, oben und unten sowie die Beziehung zur Mittellinie. [1][11]
Rechts drei Lappen, links zwei
Die rechte Lunge besteht aus Ober-, Mittel- und Unterlappen. Die Fissura horizontalis liegt zwischen Ober- und Mittellappen; die Fissura obliqua trennt den Unterlappen von den darüber beziehungsweise davor liegenden Anteilen. Links besteht die Lunge aus Ober- und Unterlappen, getrennt durch eine Fissura obliqua. [1][11]
Die linke Lunge passt sich an die Herzlage an. Am vorderen Rand des Oberlappens liegt die Herzbucht; darunter zieht die Lingula zungenförmig nach vorn. Die Lingula gehört anatomisch zum linken Oberlappen. Ihre zwei segmentalen Bezirke lassen sich im Verzweigungsplan gezielt verfolgen. Rechts bildet der Mittellappen einen eigenen, von Fissuren begrenzten Lappen. [1][12]

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Fissuren sind mit Pleura ausgekleidete Einschnitte
An den Lappenspalten folgt die viszerale Pleura der Lungenoberfläche in die Tiefe. Die Fissuren ermöglichen ein gewisses Gleiten zwischen benachbarten Lappen. Ihre Ausprägung variiert: Eine Spalte kann unvollständig sein, und zusätzliche Spalten können vorkommen. Die ideale Zeichnung mit klaren Trennlinien hilft zunächst bei der Orientierung. [1][11]
In der Bildgebung werden diese Linien mit Gefäß- und Bronchialverläufen sowie der räumlichen Form zusammen betrachtet. Ein einzelner Schnitt kann einen Lappen nur teilweise treffen. Wer eine Veränderung zuordnet, verfolgt deshalb die Anatomie über mehrere benachbarte Ebenen. Das ist besonders anschaulich, wenn ein Schnitt durch den vorderen Mittellappen neben Anteile des weiter hinten gelegenen Unterlappens führt. [11][12]
Vom Lappen zum bronchopulmonalen Segment
Jeder Lappen wird über einen Lappenbronchus belüftet. Daraus gehen Segmentbronchien hervor, die kleinere Versorgungsbezirke erreichen. Ein solcher Bezirk heißt bronchopulmonales Segment. Mit seinem zentralen Bronchus verlaufen zugehörige Äste der Lungenarterie. Die gemeinsame Verzweigungsrichtung liefert eine anatomische Achse des Segments. [1][12]
Ein Segment wird häufig als kegelförmiger Bezirk beschrieben: Die Spitze weist zur zentralen Bronchialverzweigung, die breitere Basis zur äußeren Lungenoberfläche. Im realen Organ passen sich die Grenzen an Nachbarsegmente und Gefäßverläufe an. Anders als Lappen sind die meisten Segmentgrenzen außen durch keine tiefe Pleurafissur markiert. [1][12]
Wie Segmente benannt und gezählt werden
Die Namen beschreiben die räumliche Lage, etwa apikal, anterior oder posterior. Die Kennzeichnung S bezeichnet den Gewebebezirk, B seinen Bronchus und A den entsprechenden Arterienast. Rechts werden im üblichen Schema zehn Segmente unterschieden. Links werden einige Bezirke häufig zusammengefasst, besonders die apikalen und posterioren Anteile des Oberlappens sowie mediale und anteriore basale Anteile. [1][12]
Die Tabelle zeigt links ein gebräuchliches Schema mit acht zusammengefassten Einheiten. Individuelle Verzweigung und Benennung können davon abweichen. Für einen konkreten Befund werden daher die verwendete Nomenklatur und die tatsächlich erkennbare Anatomie zusammen gelesen. Die genaue Benennung berücksichtigt die individuelle bronchiale und vaskuläre Verzweigung. [11][12]
Arterien im Zentrum, Venen zwischen Bezirken
Die Lungenarterien führen das Blut des rechten Herzens zum Kapillarnetz der Austauschflächen. Ihre intrapulmonalen Äste folgen weitgehend den Bronchien. In einer Segmentzeichnung können Bronchus und Arterie deshalb als zwei gemeinsam in den Bezirk eintretende Wege dargestellt werden. [1][12]
Die Lungenvenen sammeln das Blut dagegen in einem periphereren Netz, zu dem intersegmentale Verläufe gehören. Dadurch markieren manche Venen wichtige Grenzen zwischen Segmenten. Schließlich fließt das Blut über meist vier Lungenvenen in den linken Vorhof. Diese räumliche Anordnung erklärt, weshalb Luftweg, zuführende Arterie und abführende Vene in einem Querschnitt unterschiedliche Nachbarschaften zeigen. [12]

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Hilum und Lungenwurzel bezeichnen unterschiedliche Strukturen
Das Hilum ist die Eintritts- und Austrittsregion an der medialen Lungenfläche. Die Lungenwurzel umfasst die dort gebündelten Verbindungen: Hauptbronchus beziehungsweise seine frühen Aufteilungen, Lungenarterie, Lungenvenen, kleinere bronchiale Gefäße, Lymphbahnen, Lymphknoten und Nerven. Die Pleura schlägt sich an dieser Region zwischen Organ- und Wandblatt um. [1][11][12]
Unterhalb der Wurzel zieht das Ligamentum pulmonale als Pleurafalte nach unten. Die Lunge ist über ihre Wurzel mit dem Mediastinum verbunden und bewegt sich zugleich bei jedem Atemzug im Brustkorb. Für die räumliche Vorstellung ist die Wurzel ein Bündel mehrerer Wege; das Hilum ist die zugehörige Pforte am Organ. [1][11]
Die beiden Lungenarterien erreichen die Bronchien unterschiedlich
Rechts zieht die Lungenarterie hinter der aufsteigenden Aorta und der oberen Hohlvene zur Lunge. In Beziehung zum rechten Hauptbronchus liegt sie zunächst vorn; der Bronchus zum rechten Oberlappen entspringt oberhalb des zugehörigen Arterienniveaus. Links verläuft die Lungenarterie über dem linken Hauptbronchus und setzt ihren Weg in die Lunge fort. [12]
Die Merkhilfe RALS fasst die Beziehung der Lungenarterie zum Hauptbronchus zusammen: rechts anterior, links superior. Sie beschreibt eine örtliche Hauptbeziehung. Sobald sich Bronchien und Gefäße weiter verzweigen, ändern sich ihre Nachbarschaften. In der eigenen Hilumgrafik sind daher Blickrichtung und die jeweils gemeinte Ebene ausdrücklich angegeben. [12]

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Nerven verlaufen an und um die Lungenwurzel
Der Nervus phrenicus zieht vor der jeweiligen Lungenwurzel am Herzbeutel abwärts. Seine motorischen Fasern erreichen das Zwerchfell; ihre Herkunft liegt überwiegend in den Rückenmarkssegmenten C3 bis C5. Diese Beziehung hilft, Zwerchfellsteuerung und die örtlichen Nerven der Lungenwurzel räumlich auseinanderzuhalten. [27]
Die Lungengeflechte enthalten parasympathische, sympathische und sensible Fasern. Sie stehen in Beziehung zu den Bronchien und Gefäßen und vermitteln unter anderem örtliche Regulation und Rückmeldungen. Die Atemmuskeln erhalten ihre motorischen Befehle über eigene somatische Wege. Die Detailseite zur Atemregulation verbindet diese Leitungen mit dem Hirnstamm und der chemischen Rückmeldung. [1][14][28]
Zwei Gefäßsysteme versorgen unterschiedliche Aufgaben
Der Lungenkreislauf koppelt rechten Ventrikel, pulmonale Gefäße, Austauschkapillaren und linken Vorhof. Die Bronchialarterien gehören zum Körperkreislauf und versorgen unter anderem Wände größerer Luftwege und weitere Stützstrukturen. Beide Gefäßsysteme begegnen sich im Organ, übernehmen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. [1][12]
Auch der venöse Rückweg verteilt sich auf mehrere Verbindungen. Ein Teil des bronchialen Blutes erreicht systemische Venen, ein erheblicher Anteil gelangt über Verbindungen in die Lungenvenen. Die einfache Skizze mit nur je einer Arterie und Vene pro Lunge bildet die makroskopische Hauptrichtung ab; die tatsächliche Versorgung enthält zusätzliche Wege. [12]
Warum diese Ordnung bei Befunden hilft
Eine Lageangabe wie rechter Unterlappen oder linke Lingula grenzt den betrachteten Bezirk ein. Die genauere Segmentbezeichnung ordnet einen Befund einem bronchovaskulären Gebiet zu. Bronchoskopie verfolgt die Luftwege von innen, Schnittbildverfahren zeigen sie zusammen mit Gefäßen und Gewebe. Die beiden Perspektiven ergänzen sich. [8][12]
Bei anatomischen Segmentresektionen nutzen Fachleute die segmentale Zuordnung von Bronchien und Arterien sowie die intersegmentalen Venen. Die individuelle Gefäßkarte ist dafür besonders wichtig. Für das grundlegende Verständnis genügt zunächst das Prinzip: Eine gemeinsam versorgte Gewebeeinheit besitzt erkennbare zentrale Zugänge und periphere Grenzbeziehungen. [12]
Von der sichtbaren Gliederung zur Austauschfläche
Unterhalb der Segmentebene verzweigen sich die Luftwege weiter in kleinere Bronchien und Bronchiolen. Jenseits terminaler Bronchiolen beginnen die acinären Abschnitte mit respiratorischen Bronchiolen, Alveolargängen und Alveolen. Die makroskopische Lappengliederung und die mikroskopische Austauschzone gehören damit zu demselben fortlaufenden Baum. [1][25]
Der nächste sinnvolle Schritt ist die Verknüpfung mit der Funktion: Atemmechanik bewegt Luft durch die leitenden Wege, die örtliche Belüftung erreicht die Austauschflächen, und die Durchblutung bringt Blut an deren Kapillaren. Die Seiten zu Bronchien, Atemmechanik und Gasaustausch führen diese Wege auf jeweils einer anderen räumlichen Ebene weiter. [1][12][25]
Lymphwege folgen Oberfläche und Bronchialgefäßen
Die Lunge besitzt oberflächennahe subpleurale und tiefere lymphatische Netze. Tiefere Wege begleiten unter anderem Bronchien und Gefäße. Sie führen über intrapulmonale und bronchopulmonale Knoten in Richtung Hilum; weitere Stationen liegen an der Trachealaufteilung und entlang der Trachea. [28]
Damit erhält die Lungenwurzel neben Luft- und Blutwegen eine weitere Transportdimension. Bei der Beschreibung eines Lymphknotens werden seine Beziehungen zu Bronchien, Gefäßen und Mediastinum herangezogen. Auch hier bildet die räumliche Ordnung die gemeinsame Grundlage für Anatomie und Befundsprache. [28]
Einen Unterlappenbezirk über drei Wege verfolgen
Ein Segmentbronchus führt Luft in seinen zugeordneten Unterlappenbezirk. Ein begleitender pulmonaler Arterienast bringt Blut zu dessen Austauschkapillaren. Die venöse Sammlung führt anschließend aus dem peripheren Netz über größere Lungenvenen weiter zum linken Vorhof. Luft und Blut kommen erst an den dünnen Austauschflächen eng zusammen. [1][12]
Die drei Wege beginnen und enden an verschiedenen Orten und besitzen unterschiedliche Inhalte. Ihr gemeinsamer Bezug ist derselbe Gewebebezirk. Über den gemeinsamen Versorgungsbezirk lassen sich Bronchialbaum, Gefäßverlauf und Schnittbild räumlich zuordnen. [1][12]
Segmente im gebräuchlichen Verzweigungsplan
| Lappen | Aufbau, Funktion und Verbindungen |
|---|---|
| Oberlappen | Rechts: S1 apikal; S2 posterior; S3 anterior Links: S1+2 apikoposterior; S3 anterior; S4 obere Lingula; S5 untere Lingula |
| Mittellappen | Rechts: S4 lateral; S5 medial Links: Lingula ist Teil des Oberlappens |
| Unterlappen | Rechts: S6 superior; S7 medial-basal; S8 anterior-basal; S9 lateral-basal; S10 posterior-basal Links: S6 superior; S7+8 anteromedial-basal; S9 lateral-basal; S10 posterior-basal |
Wichtige Begriffe
- Fissur
- Mit viszeraler Pleura ausgekleideter Einschnitt zwischen Lungenlappen. [1]
- Lingula
- Zungenförmiger Anteil des linken Oberlappens mit oberem und unterem Lingulasegment. [1][12]
- Bronchopulmonales Segment
- Lungenbezirk mit zugeordnetem Segmentbronchus und begleitender pulmonaler Arterienversorgung. [12]
- Hilum
- Ein- und Austrittsregion der Verbindungen an der medialen Lungenfläche. [11]
- Lungenwurzel
- Bündel der Bronchien, Gefäße, Lymphwege und Nerven am Hilum. [1][11]
- Intersegmentale Vene
- Venöser Verlauf im Grenzbereich benachbarter bronchopulmonaler Segmente. [12]
Häufige Fragen
Warum hat die linke Lunge keinen Mittellappen?
Die linke Lunge ist in Ober- und Unterlappen gegliedert. Die Lingula bildet einen nach vorn gerichteten Anteil des Oberlappens. In der linken Brusthälfte prägt zudem das Herz die räumliche Form der Lunge. [1][11]
Sind Lungensegmente von außen sichtbar?
Lappen lassen sich an den Fissuren erkennen. Die meisten Segmentgrenzen werden anhand ihrer bronchialen und vaskulären Versorgung zugeordnet; sie besitzen keine eigene tiefe äußere Lappenspalte. [1][12]
Warum haben verschiedene Übersichten links unterschiedliche Segmentzahlen?
Einige Bezirke werden gemeinsam oder getrennt gezählt, etwa S1+2 und S7+8. Hinzu kommen individuelle Varianten der Bronchial- und Gefäßverzweigung. Für genaue Befunde wird die konkrete Anatomie mit der verwendeten Benennung verbunden. [11][12]
Weiter im Zusammenhang
Quellen und Weiterlesen
- Bierbach (Hrsg.): Naturheilpraxis Heute, Kapitel 12 Atemwege 7. Auflage. Elsevier/Urban & Fischer,2024. ISBN 9783437550294. Kapitel 12.2.7 Bronchien,12.2.8 Lungen und 12.2.9 Pleura. Abgerufen/geprüft am 07.11.2026.
- Downey und Samra: Anatomy, Thorax, Tracheobronchial Tree StatPearls, aktualisiert 24.07.2023. Abgerufen/geprüft am 07.11.2026.
- Anatomy, Thorax, Lungs StatPearls, anatomisches Lehrkapitel. Abgerufen/geprüft am 07.11.2026.
- Kandathil und Chamarthy: Pulmonary vascular anatomy & anatomical variants Cardiovascular Diagnosis and Therapy 2018;8:201–207. DOI 10.21037/cdt.2018.01.04. Abgerufen/geprüft am 07.11.2026.
- Del Negro, Funk und Feldman: Breathing matters Nature Reviews Neuroscience 2018;19:351–367. DOI 10.1038/s41583-018-0003-6. Abgerufen/geprüft am 07.11.2026.
- Columbia University: Respiratory System Histology Laboratory, Learning Objectives und Segment/Characteristics-Tabelle. Abgerufen/geprüft am 07.11.2026.
- Oliver und Ashurst: Anatomy, Thorax, Phrenic Nerves StatPearls, aktualisiert 24.07.2023. Abgerufen/geprüft am 07.11.2026.
- StatPearls: Anatomy, Thorax, Bronchial NCBI Bookshelf, institutionelles Anatomiekapitel. Abgerufen/geprüft am 07.11.2026.